Steuerliche Änderungen bei Gutscheinen ab dem 01.01.2021

Bereits zum 01.01.2019 trat bereits eine Neuregelung der Umsatzbesteuerung von Gutscheinen durch das Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Internetwarenhandel in Kraft. Die grundlegendste Änderung ergibt sich bei der Unterscheidung der ausgegebenen Gutscheine durch den Unternehmer und zwar in Einzweck-Gutscheine und Mehrzweck-Gutscheine. Nach knapp einem Jahr gab die Verwaltung nun ein sog. Einführungsschreiben hierzu heraus (BMF-Schreiben v. 2.11.2020) 

 

Worin unterscheiden sich Einzweck- und Mehrzweck-Gutscheine?

 

Bei Einzweck-Gutscheinen entsteht im Zeitpunkt der Übergabe des Gutscheins an den Empfänger, die Umsatzsteuer. Dementsprechend hat auch ein Ausweis der Umsatzsteuer auf dem Gutschein erfolgen. 

Anders wie bei Einzweck-Gutscheinen, wird nicht durch die Übergabe des Gutscheins die Umsatzsteuer ausgelöst, sondern erst, wenn die tatsächliche Lieferung oder sonstige Leistung erbracht wurde. Die bloße Ausgabe dieses Gutscheines löst keine Umsatzsteuer aus. 

 

Wie wirkt sich die Steuersatzsenkung und -anhebung im 2. Hj. 2020 auf Einzweck-Gutscheine aus?

 

Theoretisch könnten die Erwerber von Einzweck-Gutscheinen, die bis zum Ende des Jahres 2020 Einzweck-Gutscheine erwerben, die geltenden Umsatzsteuersätzen von 16 % bzw. 5 % nutzen. Vor allem wäre dies von Vorteil, wenn die Waren erst ab dem 01.01.2021 geliefert werden könnten. Dagegen spricht sich jedoch die Finanzverwaltung aus, da diese unter bestimmten Voraussetzungen die Einzweck-Gutscheine als geleistete Anzahlungen betrachtet. Dies gilt dann, wenn sich der Einzweck-Gutschein auf einen verbindlich bestellten Gegenstand bezieht und ein späterer Umtausch, eine Auszahlung oder eine Übertragung ausgeschlossen ist. Hinzu kommt noch, dass dieser Einzweck-Gutschein mit einer späteren Abnahmeverpflichtung verbunden sein muss. Liegen diese Voraussetzungen vor, so ist der Einzweck-Gutschein umsatzsteuerlich als Anzahlung zu behandeln. Somit entsteht im Zeitpunkt (Voranmeldungszeitraum) der Ausgabe/Vereinnahmung des Entgelts des Einzweck-Gutscheins die Umsatzsteuer (bis 31.12.2020 mit 16%/5% Umsatzsteuer).

Erfolgt die Einlösung des Einzweck-Gutscheins bis zum 31.12.2020 so bleibt es bei der Umsatzsteuer von 16%/5%. Wird der Einzweck-Gutschein erst ab dem 01.01.2021 eingelöst bzw. die erfolgt die Lieferung erst ab dem 01.01.2021, so ist die Umsatzsteuer zu berichtigen (ab 01.01.2021 auf 19%/7% Umsatzsteuer). Stand bereits bei Ausgabe des Einzweck-Gutscheins fest, dass die Einlösung/Lieferung der Ware erst ab dem 01.01.2021 erfolgt, so konnte der Einzweck-Gutschein aus Vereinfachungsgründen bereits mit 19%/7% Umsatzsteuer geschrieben werden. 

 

Gibt es Ausnahmen/Besonderheiten?

 

• Remonetarisierung (Rückgängigmachung des ursprünglichen Umsatzes)

• Rabatt-/Nachlassgutscheine

• Gastronomie

 

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